Klein aber wichtig – die Milz

25. Juli 2021 von Esther Neumann

Wenn im Blutkreislauf alles gut läuft, ist sie nicht einmal tastbar. Erst wenn sie vergrößert ist, kann sie der Arzt erspühren. Sie hat sehr wichtige Aufgaben in der Krankheitsabwehr und in der Blutmauserung. Aber notfalls kann man auch ohne sie leben.

Klein aber wichtig - die Milz

Für den Fachmann heißt sie Splen und ist ein weiches, kleines, schwammiges Organ von gerade einmal sieben Zentimeter Breite und 11 Zentimeter Länge. Sie liegt im linken Oberbauch etwa auf der Höhe der zehnten Rippe. Begrenzt wird sie durch den Magen, der linken Dickdarmbiegung und der linken Niere. Die gesunde Milz wiegt zwischen 150 bis 200 Gramm. Sie ist erst tastbar, wenn sie anschwillt. Dann kann sie bis zu zwei Kilo schwer werden.

Schneidet man die Milz durch, sieht man ein Balkenwerk aus Bindegewebe und weißliche und rötliche Bereiche. Die weiße Pulpa wird von den Milzkörperchen und den Lymphscheiden gebildet. Die Farbe der roten Pulpa entsteht durch das Vorhandensein der vielen roten Blutkörperchen in den Milzkapillaren. Etwa ein Viertel des Gewebes besteht aus weißer Pulpa  und drei Viertel aus roter.

Zwei wichtige Aufgaben

Die Milz gehört zu den lymphatischen Organen, spielt also eine wichtige Rolle in der Krankheitsabwehr und hat damit eine ähnliche Aufgabe wie die Lymphknoten. Die einzelnen Lymphknoten filtern nur die Lymphe einer bestimmten Körperregion. Aber die Milz ist für die gesamte Blutbahn zuständig. Bei einer lokalen Infektion entzünden sich einzelne Lymphknoten. Werden aber viele Krankheitserreger in die Blutbahn eingeschwemmt, schwillt die Milz an, ein Zeichen dafür, dass sie verstärkt arbeiten muss. Diese Aufgabe der Krankheitsabwehr übernimmt die weiße Pulpa. In der Milz halten sich etwa 20 mal so viel Lymphozyten auf, wie in allen Lymphknoten zusammen genommen. Lymphozyten sind kleine, weiße Blutkörperchen die in der spezifischen Krankheitsabwehr eine große Rolle spielen.

Rote Blutkörperchen und Lymphozyten - Electron Microscopy Facility at The National Cancer Institute at Frederick (NCI-Frederick), Public domain, via Wikimedia Commons
Rote Blutkörperchen und Lymphozyt

Die rote Pulpa hat ganz andere Aufgaben. Sie erscheint so rot, weil sehr viele rote Blutkörperchen in ihr herum schwimmen. In der Milz werden die gealterten Blütkörperchen abgebaut. Die roten Blutkörperchen müssen sich durch ein enges Netzwerk hindurch zwängen. Junge Blutkörperchen können sich sehr gut verformen und sich leicht durch die engen Blutgefäße zwängen. Alte Blutkörperchen sind nicht mehr so gut verformbar. Sie bleiben im engen Netzwerk hängen und werden von den Fresszellen abgebaut. Bei dieser Blutmauserung wird der rote Blutfarbstoff Hämoglobin freigesetzt.

Der Körper geht sehr sparsam mit seinen Abbauprodukten um und recycelt vieles, so auch das Hämoglobin. Es wird zu Gallenfarbstoffen umgebaut und von der Leber in die Galle abgegeben. Darum kann bei einem vermehrten Blutkörperchenabbau eine Gelbsucht auftreten. Besonders bekannt ist die Gelbsucht des Neugeborenen.

Die Milz hat auch noch andere Aufgaben. Beim Baby bildet sie rote Blutkörperchen. Bei den Erwachsenen wird diese Aufgabe durch das Knochenmark übernommen. Sie speichert auch Thrombozyten, die bei Blutungen zur Blutgerinnung ausgeschüttet werden. Sie erkennt aber auch kleine Thromben und baut sie ab. Sie produziert auch einen Teil der Makrophagen, der Fresszellen, die Fremdkörper im Blut umfließen und verdauen und so eine Rolle im Immunsystem spielen.

Milzbrand

Milzbrand ist eine Zoonose, eine Krankheit, die die Tiere befällt und auf den Menschen übertragbar ist, aber nicht von Mensch zu Mensch. Sie tritt vor allem bei Menschen auf, die viel mit Tieren umgehen wie Landwirte oder Metzger. In unseren Breiten ist sie heute selten, aber in warmen Gegenden wie etwa Südafrika, tritt sie häufiger auf. Es ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit. Übertragen wird sie durch den Bacillus anthracis, daher auch der Name Anthrax. Die Bazillen bilden Sporen. In dieser inaktiven Form sind sie sehr stabil gegen Hitze, Austrocknung, Bestrahlung und Desinfektionsmittel. Sie können zum Beispiel lange Zeit auf einer Weide liegenbleiben, bevor sie von Tieren aufgenommen werden.

Ein Metzger zerschneided Fleisch - Photo by Kindel Media from Pexels

Die Krankheit kann als Haut-, Lungen- oder Darmmilzbrand auftreten. Dabei ist die Milz vergrößert, dunkel verfärbt und wirkt wie verbrannt. Die Krankheitssymptome sind wie bei einer Infektion. Wenn sie schnell erkannt wird, ist sie gut therapierbar. Wird sie verschleppt, ist die Behandlung schwierig. Es kann zu hohem Fieber kommen, Lungenversagen und Schock.

In Verruf ist der Milzbrand als Biowaffe gekommen. Vor einigen Jahren wurde viel Unruhe geschaffen, als mit der Post zum Teil echter, zum teil lediglich ein unwirksames weißes Pulver verschickt wurde. Angst vor dieser Biowaffe zu haben, ist aber sinnlos. Es ist zwar möglich, sie ganz gezielt einzusetzen, aber auch sehr kompliziert. Man muss die Sporen richtig verpacken und in der richtigen Größe versprühen, damit sie auch aufgenommen werden können.

Milzentfernung

Die Milz ist nicht unbedingt lebensnotwendig. Man kann ohne sie leben. Die Aufgabe als lymphatisches Organ kann bei Erwachsenen von anderen lymphatischen Organen übernommen werden. Für den Blutabbau springt die Leber ein. Trotzdem wird man die Milz nicht leichtfertig entfernen. Die Gefahr einer Blutvergiftung ist ohne Milz viel größer. Unmittelbar nach der Entfernung der Milz sind die Patienten auch viel gefährdeter an einer Pneumokokken Lungenentzündung zu erkranken. Es dauert eine Zeit, bis andere Organe die Aufgabe der Milz übernommen haben und den Körper vor Krankheiten schützen können.

Ein wichtiger Grund für die Entfernung ist zum Beispiel ein Kapselriss. Die Milz ist von einer sehr stark durchbluteten Kapsel umgeben. Bei Quetschungen platz diese leicht. Es kommt zu starken Blutungen. Früher wurde die Milz in solchen Fällen einfach entfernt. Heute versucht man den Riss zu kleben, weil die Milz ein so wichtiges Organ in der Krankheitsabwehr ist. Bei Operationen muss der Chirurg in der Umgebung der Milz sehr vorsichtig arbeiten. Verletzt er die Kapsel, kommt es zu kaum stillbaren Blutungen.

Eine Operation -  Photo by Vidal Balielo Jr. from Pexels

Bei gesteigertem Blutabbau, bei besonderen Formen der Anämie oder Leukämie und bei bösartigen Tumoren muss sie oft entfernt werden.

Nach der Entfernung der Milz wird der Patient im Krankenhaus sehr gut überwacht. Das Blutbild wird laufend kontrolliert. Denn jetzt darf es zu keiner Entzündung oder einer anderen Krankheit kommen, weil ja ein wichtiger Teil des Immunsystems ausgefallen ist. Auch nach dem Krankenhausaufenthalt muss das Immunsystem weiter gestärkt werden durch eine vitaminreiche Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft.

Die Milz, so klein das Organ auch ist, hat eine wichtige Funktion. Sie kann zwar im Notfall ersetzt werden, wie wir gesehen haben. Aber solange wir sie haben, wollen wir sie schützen und bewahren durch eine vernünftige, immunstärkende Lebensweise. Das kommt nicht nur unserer körperlichen Gesundheit zu Gute, sondern auch unserer Seele und unserem Geist. Wir können besser denken und besser kommunizieren mit unseren Mitmenschen und mit unserem Schöpfer.

Esther Neumann

Esther Neumann studierte Ernährungswissenschaften auf der Universität Wien. Seitdem hatte sie als Autor von dem Gesundheitsmagazin „Leben und Gesundheit“ gedient, und führte Gesundheitsvorträge in vielen Orten Österreichs durch.www.ernaehrungaktuell.at/


Ein Artikel von RundumGesund.org

Mitochondrien – Kraftwerke unserer Zellen

27. Juni 2021 von Esther Neumann

Sie kommen in fast jeder Zelle unseres Körpers vor. Ohne sie könnten wir keine Energie produzieren. Wir könnten weder atmen, noch würde unser Herz schlagen. Keinen Muskel könnten wir bewegen, es würde einfach nichts funktionieren. Gemeint ist ein winziges Organell in unseren Zellen mit dem eigentümlichen Namen Mitochondrium.

Mitochondrien - Kraftwerke unserer Zellen

Wissenschaftler haben ihr Vorhandensein schon länger geahnt. Aber sehen konnte man sie erst nach der Erfindung des Elektronenmikroskopes so um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Mitochondrien sind so winzig klein wie Bakterien. Aber welch ein Innenleben haben sie! Sie werden mit Recht als die Kraftwerke unserer Zellen bezeichnet, weil sie durch den Abbau der Nahrungsmittel den größten Teil der Energie herstellen, die unser Körper für all seine Funktionen gebraucht.

Vorkommen und Aufbau

Mitochondrien kommen in allen Zellen unseres Körpers vor außer in den roten Blutkörperchen. Typisch sind etwa 1000 Mitochondrien pro Zelle. Diese große Anzahl zeigt uns schon, wie winzig klein sie sein müssen, wenn so viele von ihnen in eine Zelle passen. Sie nehmen darum auch bis zu 25% des Zellvolumens ein. Zellen die viel Energie verbrauchen, haben die meisten Mitochondrien. Dazu gehören die Muskel-, Nerven- und die Sinneszellen.

Mitochondrien sind von zwei Membranen, ähnlich einem Häutchen, umschlossen. Die äußere Membran ist glatt und enthält viele tunnelähnliche Kanäle, durch die kleine Moleküle, das sind kleinste Bauteilchen die unser Körper laufend aus unserer Nahrung umbaut, hindurchgeschleust werden können. Die innere Membran ist dagegen für fast alle Moleküle undurchlässig. Nur so kleine wie Wasser, Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff können durch. Dafür besitzt sie viele Transportsysteme mit denen sie kontrolliert verschiedene Abbaustoffe aus unserer Ernährung ins Innere transportieren kann. Damit sie all diese vielfältigen Aufgaben übernehmen kann, ist sie stark gefaltet, damit eine große Oberfläche entsteht. InnenmembranAußenmembranRibosomDNA des Mitochondrium

Im Inneren der Mitochondrien, der sogenannten Matrix, laufen viele Stoffwechselleistungen ab. Wir werden noch darauf zurückkommen. Das Mitochondrium selber hat eine eigene DNA wie der Zellkern. Es kann sich also selber teilen. Seine Lebensdauer ist nicht sehr lange, nur etwa 10 bis 20 Tage. Es wird ständig durch Querteilung nachproduziert.

Aufgabe der Mitochondrien

Die Hauptaufgabe besteht darin, wichtige Abbauprodukte aus unserer Nahrung aufzunehmen und in Energie zu verwandeln. Andere Stoffe, die nicht mehr gebraucht werden, müssen in eine Form übergeführt werden, die der Körper leicht ausscheiden kann. Dazu gehört etwa der Harnstoffzyklus, der teilweise auch hier abläuft.

Betrachten wir einmal den Abbau von Fett aus unserer Nahrung. Wir essen Fett, weil wir daraus unter anderem auch Energie produzieren wollen. Unser Körper ist ein wahres Wunderwerk und ein riesiges, aufwändiges Chemielabor. Viele komplizierte Schritte sind notwendig, um von einem Esslöffel Öl zur Energie zu kommen. Wir wollen das ganze etwas vereinfacht zusammenfassen. Unsere Bauchspeicheldrüse stellt Enzyme zur Fettverdauung zur Verfügung. Die Galle zerlegt einen großen Fetttropfen in viele kleine Tröpfchen, damit die Enzyme leichter angreifen können. Dabei entstehen Fettsäuren und Glycerin die durch die Darmwand aufgenommen werden. Jetzt werden sie wieder zu richtigen Fettmolekülen zusammengesetzt. Da Fett nicht wasserlöslich ist und nicht einfach in der Lymphe oder im Blut schwimmen kann, wird es an Lipoproteine gebunden. Mit diesem Taxi gelang das Fett endlich in die Zelle, wo es in Energie umgewandelt werden soll.

Diagramm des Fettstoffwechsels

Diese Umwandlung geschieht in unserem Mitochondrium. Dazu muss das Fettmolekül zuerst wieder in Glycerin und Fettsäure zerlegt werden. Die Fettsäure ist aber zu groß, um durch die Membran in das Innere des Mitochondriums zu kommen. Darum braucht es ein Transportsystem. Als Taxi dient hier das Carnitin, das jeder Sportler bestens kennt, glaubt er doch besonders viel davon zu brauchen, damit er mehr Fett verbrennen kann, um so zu mehr Energie zu kommen. Sind die Fettsäuren in den Mitochondrien, werden sie über einen komplizierten Vorgang zusammen mit Sauerstoff zu Energie, Wasser und Kohlenstoffdioxid umgeformt. Dieser Zyklus, bei dem die Fettsäuren abgebaut werden, heißt Beta-Oxidation.

Das ATP (Adenosintriphosphat), wie diese chemische Energie heißt, entsteht in der inneren Mitochondrienmembran. Der Körper braucht sie, um seine Muskeln zu bewegen, um lebensnotwendige organische Moleküle herzustellen und um Transportprozesse in der Zelle und von einer Zelle zur anderen abzuwickeln. Bei einem erwachsenen Menschen entspricht die Menge ATP, die täglich in seinem Körper auf- und abgebaut wird, etwa seinem Körpergewicht. Welche Leistung!

Das Glycerin aus dem Fett wird in den Zitronensäurezyklus eingeschleust. Das ist ein anderer äußerst komplizierter Zyklus der auch im Inneren der Mitochondrien abläuft. Er ist eine wichtige Drehscheibe im Stoffwechselgeschehen. Er baut Produkte aus der Ernährung ab und baut gleichzeitig neue Produkte wie etwa Aminosäuren, die kleinsten Bauteilchen von Eiweiß, wieder auf. Auch die Abbauprodukte von Kohlenhydrat und Eiweiß kommen in den Zitronensäurezyklus. Wir sehen daraus die wichtige Rolle, die er spielt. Auch aus diesem Umschlagplatz können wieder Bauteilchen abgezweigt werden um Energie zu gewinnen.

Fette liefern aber bei weitem die größte Energiemenge, gefolgt von Kohlenhydraten. Energieproduktion aus Eiweiß ist für den Körper nicht sehr ergiebig und wird nur herangezogen wenn nicht genügend Fette und Kohlenhydrate zur Verfügung stehen.

Umwandlung von Nährstoffen

Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten. Manche Zellen wie die roten Blutkörperchen, die Nerven- und Gehirnzellen brauchen unbedingt den Traubenzucker, die Glukose, aus den Kohlenhydraten. Glukose wird darum in Form von Glykogen in der Leber gespeichert. Daraus kann zwischen den Mahlzeiten wenn keine neue Glukose zur Verfügung steht, wieder Glukose abgespalten werden. Werden mehr Kohlenhydrate als nötig aufgenommen und sind auch alle Glykogenspeicher gefüllt, werden Kohlenhydrate in Fett umgewandelt. Das wird in den Fettzellen gespeichert. Vorsicht: so kann Übergewicht entstehen!

Früchte als Kohlenhydratquelle - Photo by Anderson Guerra from Pexels

Beim Fasten gewöhnen sich die Gehirn- und Nervenzellen nach einiger Zeit sogar daran, aus Fettsäuren Energie zu gewinnen. Aber die roten Blutkörperchen sind immer auf Glukose als Energie angewiesen. Werden so gut wie keine Kohlenhydrate mit der Nahrung aufgenommen, wie es bei manchen Diäten vorkommt, so muss der Körper aus Aminosäuren Glukose herstellen. Dieser Weg ist energetisch aber sehr aufwändig.

Abwechslungsreiche Ernährung

Wir haben gesehen, dass manche Nährstoffe ineinander übergeführt werden können. Hinsichtlich ihrer Funktion als Baustoffe für Knochen, Organe, Zähne und vieles mehr, lassen sie sich aber nicht austauschen. Es ist daher wichtig, dass wir uns ausgewogen und abwechslungsreich ernähren und einseitige Diäten vermeiden. Die beste Ernährung besteht aus viel Obst und Gemüse, Getreide, Nüssen und Samen. Aus all diesen Lebensmitteln wird unser Körper optimal versorgt und wir können genug Energie herstellen für alle Lebensfunktionen.


Ein Artikel von RundumGesund.org

Pankreas, Diabetes und Anzahl der Mahlzeiten

30. Mai 2021 von Esther Neumann

Hinterm Magen liegt noch was – und das ist das Pankreas.“ So haben wir es in der Schule gelernt.  Die Bauchspeicheldrüse ist zunächst eine  lebensnotwendige Verdauungsdrüse.  Beim ungeborenen Fötus wird sie bereits am 28. Tag angelegt und in der 8. und 9. Woche kann man schon die Langerhans Inselzellen erkennen. Zeitlebens bleiben multipotente Stammzellen im Pankreas erhalten, denn sie müssen dauernd Nachschub produzieren, lebt doch eine Pankreaszelle im Schnitt nur etwa 40-50 Tage. 

Pankreas, Diabetes und Anzahl der Mahlzeiten

Die Bauchspeicheldrüse oder medizinisch das Pankreas ist eine relativ große Drüse, die quer im Körper hinter dem Magen zwischen Milz und Leber liegt. Sie ist etwa 14 –- 20 cm lang und wiegt 70 -– 100 g. Sie wird in Kopf, Körper und Schwanz untergliedert. Sie ist über einen Ausführgang mit dem Zwölffingerdarm verbunden. Der Gang verläuft durch die gesamte Länge der Drüse. Bei den meisten Menschen vereinigen sich der Hauptgallengang, die Ausführung aus der Gallenblase, mit dem Ausführgang des Pankreas. Sie münden dann gemeinsam in den Zwölffingerdarm.

Die Vereinigung der beiden Gänge erfolgt individuell auf verschiedene Weise. Bei manchen Menschen gibt es noch einen zweiten Ausführgang oder der Hauptgang kann ungewöhnlich verlaufen. Bei etwa einem Drittel der Menschen führen beide Gänge getrennt in den Zwölffingerdarm. Das ist von Vorteil, denn wenn sich ein Gallenstein bei einem gemeinsamen Ausgang nach der Vereinigung festsetzt, kann es zu einem Rückstau von Verdauungssaft und Galle in das Pankreas kommen und damit zu einer lebensgefährlichen Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis).

Anatomie der Bauchspeicheldrüse

Exokrine Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse enthält zwei Anteile mit sehr verschiedenen Aufgaben: der exokrine  und der endokrine Anteil. Endokrin heißt ins Blut absondern und exokrin nach außen, in diesem Fall in den Zwölffingerdarm abgebend. Das Pankreas setzt sich aus mehreren tausend Läppchen zusammen, die gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind. Diese wiederum setzten sich aus mehreren hundert Drüsenendstücken, den Azini, zusammen. Das Sekret der Azini wird über ein Gangsystem in den Zwölffingerdarm geleitet. Täglich werden etwa 1,5 – 2 l Sekret gebildet. Die wichtigsten Bestandteile sind die verschiedensten Verdauungsenzyme: Lipasen zur Verdauung von Fett, Amylasen zur Verdauung von Kohlenhydraten und verschiedene Proteasen zur Verdauung von Eiweiß.  Die meisten Verdauungsenzyme werden aber in einer Vorstufe gebildet, die erst im Zwölffingerdarm in die aktive Form umgewandelt werden. Dadurch wird die Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse verhindert.

Etwa 95% des Verdauungssaftes besteht aus Wasser. Es ist sehr wichtig, dass dieser Saft leichtflüssig ist und der pH-Wert ungefähr bei 8 liegt. Bei etwa einem von 2 000 Neugeborenen ist durch ein Gendefekt das Pankreassekret sehr zähflüssig und der pH-Wert ist nahezu neutral. Dadurch ist auch das Milieu im Zwölffingerdarm zu sauer und die Fettverdauung kann nicht richtig funktionieren. Es kommt zu Fettstühlen. Im Pankreas selber werden die Gänge verstopft durch das zähe Sekret. Auch in der Lunge kommt es zu Verstopfungen und Vernarbungen. Das Krankheitsbild heißt zystische Fibrose oder Mukoviszidose.

Das Pankreaskarzinom ist nach dem Kolon- und Magenkarzinom der dritthäufigste Tumor des Verdauungstraktes. Rauchen, häufiger Kaffeekonsum, Typ-I-Diabetes sowie chronische Pankreatitis können das Risiko erhöhen. Die Prognose des Pankreaskarzinoms ist meist sehr schlecht, da es selten zu einer frühzeitigen Diagnose kommt und dann große Teile des Pankreas oder alles entfernt werden muss, oft noch mit einem Teil des Zwölffingerdarmes. 70 -– 80% der Krebsfälle geht vom exokrinen Pankreas aus.

Endokrine Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse enthält Gruppen von Zellen, die im übrigen Gewebe kleine Inseln bilden und nach ihrem Entdecker dem deutschen Mediziner Paul Langerhans „Langerhans-Inseln“ genannt werden. Das sind Ansammlungen von Zellen mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,4 mm. Ein Erwachsener besitzt ungefähr eine Million davon. Das entspricht 2% des Pankreasgewichtes. Sie gehören zum Hormonsystem und geben ihre Syntheseprodukte direkt ins Blut ab. Die Hauptfunktion dieser Inseln besteht darin, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Etwa 70% der Inselzellen bilden Insulin. Diese Zellen heißen B-Zellen. 20% sind A-Zellen und bilden Glucagon, das Gegenhormon zum Insulin. Die D-Zellen machen 5% aus und bilden Somatostatin, das bereits in kleinen Mengen die Freisetzung von Glucagon behindert. Weitere 5% machen die PP-Zellen aus. PP, das pankreatische Polypeptid, bestehend aus Eiweißstoffen, steigert die Beweglichkeit des Dünndarmes. Das ist sehr wichtig für die Verdauung, damit der Speisebrei gut durchmischt wird und in Kontakt mit den Blutgefäßen kommt. Auf diese Weise können die Nährstoffe besser aufgenommen werden.

Langerhans Insel - Source: Wikipedia/Medical gallery of Blausen Medical 2014

Leitungsbahnen

Die Bauchspeicheldrüse wird von Nervenbahnen, Lymphgefäßen, Lymphknoten, Arterien und Venen durchzogen. Die Blutzufuhr erfolgt über mehrere Arterien. Sie wird über einen doppelten Gefäßkranz versorgt. Die kleinsten Adern, die Kapillaren sind überwiegend fenestriert. Sie weisen kleinste „Fenster“ auf, über die die endokrinen Zellen direkt mit dem Blut in Verbindung stehen. Dadurch „erfühlen“ die Zellen den Blutzuckerspiegel gleichsam und die Hormone können direkt ins Blut ausgeschüttet werden.

Blutzuckerregulation

Die Regulierung des Blutzuckerspiegels ist sehr wichtig. Im Blut liegen die Kohlenhydrate in Form von Glucose vor. Die Konzentration beträgt beim gesunden Erwachsenen etwa 80 – 100 mg pro 100 ml Blut. Die zwei wichtigsten Hormone, die an der Regulierung beteiligt sind, kommen aus der Bauchspeicheldrüse: Insulin und Glucagon. Sie sind Gegenspieler. Insulin senkt den Zuckerspiegel und Glucagon erhöht ihn. Nach einer Mahlzeit wird die Glucose ins Blut aufgenommen. Der Blutzuckerspiegel steigt. Im gesunden Menschen bewirkt das die Ausschüttung von Insulin ins Blut. Der Zuckerspiegel soll ja wieder auf den Normalwert gesenkt werden. Das Insulin öffnet dem Blutzucker den Weg in die Körperzellen. Dort wird er in Energie umgewandelt. Das Insulin bewirkt aber auch, dass der Glucoseüberschuss in die Leber oder die Muskeln geschleust wird. Dort wird die Glucose in Glykogen umgewandelt und gespeichert.

Sinkt der Zuckerspiegel unter den Normalwert (Hunger, Arbeit), sorgt Glucagon dafür, dass die Leber Glykogen wieder frei gibt, es in Glucose umgewandelt wird und wieder ins Blut gelangt. Der Zuckerspiegel steigt wieder. Erneute Nahrungsaufnahme oder verstärkte Muskeltätigkeit lassen den ganzen Ablauf wieder von vorne beginnen. Durch andauernde Nahrungsaufnahme, wie etwa ständiges Naschen, wird dieser Regelkreis überfordert, versagt früher oder später und wir haben es mit einem Diabetes mellitus Typ- II zu tun. Auch Übergewicht fördert die Entstehung von Diabetes. Früher sprach man bei diesem Typ vom Altersdiabetes. Weil durch eine unvernünftige Lebensweise die Patienten mit Diabetes aber immer jünger werden, ist man von dieser Bezeichnung weggekommen.

Naschen beansprucht das Pankreas - Photo by Tim Samuel from Pexels

Verschiedene Medikamente, orale Anti-Diabeticas, können die Ausschüttung von Insulin aus den B-Zellen erhöhen und zur Therapie des Typ-II-Diabetes eingesetzt werden.

Der Typ-I-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung mit gezielter Zerstörung der B-Zellen, die Insulin produzieren. Dieser Diabetes kann nur durch Insulininjektionen therapiert werden. Die B-Zellen können durch Virusinfektionen geschädigt werden. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass auch gewisse Bestandteile von Kuhmilch, wenn sie zu früh in den Darm von anfälligen Babys gelangt, diese Zellen schädigen können. Es macht daher wirklich Sinn, die Neugeborenen so lange wie möglich zu stillen.

Auch wenn die D-Zellen geschädigt werden, etwa durch einen Tumor, steigt der Blutzucker an. PP-Zellentumore lösen schwere Durchfälle aus.

Wir sehen, dass unsere Bauchspeicheldrüse ein sehr wichtiges Organ für unsere Verdauung und den gesamten Stoffwechsel ist. Wir tun gut daran, sie zu pflegen. Wir sollten sie nicht immer auf Hochtouren arbeiten lassen, in dem wir dauernd am Naschen sind oder zu viele Mahlzeiten pro Tag einnehmen. Ein gesunder Erwachsener kommt mit drei Mahlzeiten aus. Er braucht keine Zwischenmahlzeiten. Nur trinken soll er zwischen den Mahlzeiten, idealerweise Wasser. Gott hat uns in seiner weisen Schöpfermacht ein sehr interessantes Organ in unseren Körper eingepflanzt. Wir können immer nur staunen, wie fein und wunderbar unser ganzer Stoffwechsel von kleinen Dingen abhängt, die von einander abhängig wie die vielen Räder eines Uhrwerkes ineinander greifen.


Ein Artikel von RundumGesund.org