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Das Gläschen Rotwein für die Gesundheit?

13. Februar 2022/in Lebensstil/von cl

13. Februar 2022 von Esther Neumann

Es wird von vielen Ärzten empfohlen, und viele Patienten nehmen diese Empfehlung auch liebend gerne an. Aber bringt sie wirklich etwas für die Gesundheit? Was sagt die Wissenschaft dazu?

Das Gläschen Rotwein für die Gesundheit?

Die Franzosen und die Nordamerikaner haben etwas gemeinsam – schlechte Essgewohnheiten. Sie essen zu viel tierische Fette in Form von Butter, Käse und Fleisch. Aber etwas unterscheidet sie: Franzosen leiden weniger an Herz-Kreislaufstörungen und Gefäßerkrankungen als Amerikaner. Man ist diesem Phänomen nachgegangen und hat festgestellt, dass Franzosen Rotwein und Amerikaner Weißwein trinken. Man glaubt darin die Ursache zu sehen.

Worin besteht der Unterschied der Weine? Im roten Wein finden sich viel mehr polyphenolische Verbindungen als im weißen. Das sind antioxidative Stoffe, die im Körper schädliche Sub­stanzen binden. Man nennt diese freie Radikale, die laufend im Körper, beeinflusst durch den Lebensstil und Umweltfaktoren, selbst entstehen. Solche freien Radikale schädigen Strukturen im Körper wie etwa Enzyme und Fette, Cholesterin oder Zellmembrane. Wir sind diesen Radikalen aber nicht schutzlos ausgeliefert. Der Körper bildet selber eine ganze Menge Abwehrmechanismen dagegen.

Auch mit der Ernährung nehmen wir viele wertvolle Stoffe auf wie eben solche Polyphenole. Diese findet man in vielen Pflanzen, vor allem in Farbstoffen. Damit sind wir wieder beim Rotwein. In der Schale der blauen oder roten Trauben gibt es von den Polyphenolen eine viel größere Menge als in den weißen Trauben. Im Rotwein fand man 500 – 5000 mg/Liter und im Weißwein nur etwa 400 mg. Wieviel von diesen bioaktiven Substanzen im Rotwein enthalten ist, hängt vom Klima ab. Je wärmer die Regionen sind, in denen Wein angebaut wird, desto mehr Polyphone findet man.

Rote Weintrauben

Forschungsergebnisse

Es ist bewiesen, dass ein mäßiger Alkoholkonsum das Risiko für Krankheiten der Herzkranzgefäße senkt. Wie gibt es das? Alkohol verbessert die Blutfettwerte. Die Konzentration von HDL-Cholesterin, dem „guten“ Cholesterin, wird erhöht. Damit hat der Körper ein Werkzeug, um überschüssiges Cholesterin aus den Zellen zurück zur Leber zu transportieren.

Alkohol vermindert auch eine Thrombose­neigung, das Blut wird flüssiger. Die Farbstoffe im Rotwein wirken als Antioxidantien und schützen das „schlechte“ LDL-Cholesterin vor der Oxidation. So wird weniger Cholesterin in den Blutgefäßen abgelagert. Allerdings zeigen die Studien auch, dass diese herzschützenden Eigenschaften nur auf Männer ab dem 40. Lebensjahr und auf Frauen nach dem Wechsel zutreffen. Die Studien nehmen an, dass eine Menge von 30 g Alkohol pro Tag für den Mann und 15 g für die Frau keine schädigende Wirkung hat. Die Frauen vertragen weniger, weil sie genetisch weniger Alkoholdehydrogenase besitzen – ein Enzym, das den Alkohol im Körper wieder abbaut. Frauen haben auch durchschnittlich weniger Wasser im Körper als Männer, was die Folge hat, dass sich der Alkohol nicht so gut auflöst. Infolgedessen ist bei Frauen der Alkohol konzentrierter. Sie vertragen weniger davon. Alkohol schädigt Gehirn und Leber bei Frauen viel schneller als bei Männern.

Grenze schnell überschritten

Die Menge, die statistisch gesehen angeblich keine schädigende Wirkung hat, ist aber schnell überschritten. Die 15 g sind in 150 ml Wein enthalten. Bei Überschreitung dieser Menge wird auch die herzschützende Wirkung ins Gegenteil gekehrt. Durch das Zellgift Alkohol kommt es zu Herzmuskelerkrankungen und Herzmuskelerweiterungen, verbunden mit Herzschwäche, Atemnot bei Belastungen und Herzrhythmusstörungen.

Alkohol durchbricht auch die Blut-Hirn-Schranke. So viel Alkohol, wie sich im Blut befindet, so viel finden wir auch im Gehirn. Nur ein totes Gehirn sollte in Alkohol eingelegt werden. Das lebende brauchen wir für die vielfältigen Anforderungen, die uns das tägliche Leben abverlangt. Diese werden aber schon durch mäßigen Alkoholgenuss gestört.

Schwangerschaft und Alkohol

Alkohol gelangt auch in den Mutterkuchen der schwangeren Frau. Niemandem würde es einfallen, einem Baby Bier in sein Fläschchen zu füllen. Aber wenn die werdende Mutter Alkohol trinkt, trinkt das Ungeborene mit. Und niemand kann sagen, welche Alkoholmenge für das Ungeborene unschädlich ist. Völliger Verzicht ist die beste Entscheidung. Die größte Gefahr liegt in den ersten Wochen der Schwangerschaft, wo die Frau oft noch gar nicht weiß, dass sie schwanger ist. Denn in den ersten 12 Wochen werden die Organe angelegt. Alkohol schädigt die Zellen. In Deutschland werden jährlich etwa 2.500 Kinder, die durch Alkohol missgebildet wurden, geboren. Geschätzt wird, dass 10.000 – 15.000 Kinder pro Jahr in ihrer Entwicklung zurückbleiben, weil die Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Schon beim geselligen Trinken können Schäden entstehen. Ein klares Nein zum Genuss ist ein Ja zum gesunden Leben.

Eine Frau trinkt Alkohol

Medizinisches über Alkohol

Alkohol entsteht durch Vergärung von Früchten. Verschiedene Hefearten oder mikroskopisch kleine Pilze zersetzen dabei den im Obst enthaltenen Zucker. Durch Destillation wird der Alkoholgehalt konzentriert. Er kommt in unterschiedlichen Volumensprozenten in die Getränke. Alkohol ist ein Zellgift! Es wirkt langsam, aber stetig. Es gibt kein Organ oder System im Körper, das durch Alkohol nicht geschädigt wird. Nicht nur die Leber leidet. Es besteht auch ein erhöhtes Risiko bezüglich Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs.

Alkohol erweitert die Gefäße. So wird ein Wärmegefühl vermittelt. Aber in Wirklichkeit kühlt der Körper ab. Das ist besonders im Winter gefährlich, wenn man glaubt, einen frierenden Menschen mit Alkohol aufwärmen zu müssen. Alkoholische Getränke haben einen hohen Kaloriengehalt; fast so hoch wie Fett. Aber sie liefern kaum Nährstoffe. Im Gegenteil – Alkohol verhindert die Aufnahme von vielen Vitaminen und Mineralstoffen. Bei Alkoholmissbrauch kommt es zu einer Schädigung der Darmschleimhaut und die verbleibenden Nährstoffe können schlechter verdaut und aufgenommen werden. In der Leber kommt es zu Störungen der Vitaminspeicherung und die Niere erhöht ihre Ausscheidung. Alkoholkonsum bewirkt tiefgreifende Stoffwechselveränderungen, die mit einer verstärkten Bildung von freien Radikalen begleitet werden. Dadurch kommt es zu Schädigungen der Zellorganellen. Besonders die Mitochondrien, die Kraftwerke in unseren Zellen, die neben vielen anderen Aufgaben auch unsere Energie produzieren, werden geschädigt.

Alkohol ist eine weit verbreitete Rauschdroge, die mehr Tote als alle anderen Drogen zusammen auf dem Gewissen hat. Etwa 50% aller Aufnahmen von Patienten auf einer internen Station stehen mit Alkohol in Verbindung. Und trotzdem ist er eine in den meisten Ländern legale und akzeptierte Kulturdroge.

Ein ausgeschüttetes Weinglas

Fazit

Aus medizinischer Sicht lassen sich die Auswirkungen des Alkoholgenusses nicht einheitlich beurteilen. Es ist aber bewiesen, dass Alkohol grundsätzlich ein Risikofaktor ist. Von alkoholbedingten Gesundheitsschäden ist auch eine relativ große Zahl so genannter Normalkonsumenten betroffen. Meist ohne es zu wissen, entwickeln sie durch langjähriges mäßiges und regelmäßiges Trinken chronische Leiden. Die positiven gesundheitlichen Effekte des Rotweins – und nur bei diesem hat man eine statistische gesundheitliche Auswirkung nachgewiesen – werden aus kommerziellen Gründen übertrieben dargestellt. Selbst von der Weltgesundheitsorganisation wird diese Meinung vertreten.

Der Schutzstoff des Rotweines für das Herz liegt in der Schale der blauen Weintraube. Diesen Schutz können wir durch Essen von blauen Weintrauben und Trinken von unvergorenem roten Traubensaft ohne die negativen Nebeneffekte des Alkohols viel besser bekommen.

Esther Neumann

Esther Neumann

Esther Neumann studierte Ernährungswissenschaften auf der Universität Wien. Seitdem schrieb sie für viele Jahre für das Gesundheitsmagazin „Leben und Gesundheit“, und führte Gesundheitsvorträge in vielen Orten Österreichs durch. www.ernaehrungaktuell.at/


Ein Artikel von RundumGesund.org

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